Juniorwahl 2021

Demokratie hautnah erleben – ein Rückblick auf die Juniorwahl 2021 an der CIS/IFK

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September 30, 2021

Demokratie hautnah erleben

Die Juniorwahl 2021 an der Cologne International School

Während vor ein paar Tagen in Russlands Autokratie die Wahl zum Parlament, der Duma, stattgefunden hat, so führten auch wir an der Cologne International School / Internationale Friedensschule Köln die Juniorwahl 2021 durch. Abgesehen von der Tatsache, dass eben auch in Moskau eine “Wahl” stattgefunden hat, gab es ansonsten wohl keine Parallelen zu unserer Juniorwahl. Eine absolute Mehrheit gab’s bei uns übrigens auch nicht – wie das Ergebnis an der CIS/IFK genau ausgefallen ist, könnt ihr im Folgenden nachlesen.

Die Juniorwahl in Deutschland

Zunächst einmal zum Kontext der Wahl: Seit 1999 findet zeitgleich zur Bundestagswahl alle vier Jahre eine Juniorwahl für die Schulen in Deutschland statt. Schüler*innen ab der 7. Klasse können genau wie die erwachsenen Wahlberechtigten zwei anonyme Stimmen abgeben (die Erststimme und die Zweitstimme). Während 2017 noch etwa 3.500 Schulen an der Juniorwahl teilnahmen, waren es in diesem Jahr sogar mehr als 4.500. Die Wahlbeteiligung hat dadurch gigantische Ausmaße angenommen: Mehr als eine Million Schüler*innen haben diesen Monat ihre Kreuzchen gesetzt – und in diesem Jahr auch die Schüler*innen der CIS/IFK.

Aber wozu diese Simulation an der Schule? Gibt es positive Effekte?

Das war eine Frage, die ich spannend fand, und so interviewte ich unsere Schulleiterin Frau Dr. Fabian, die unser Projekt begeistert unterstützte, ob sie glaubt, dass unsere CIS/IFK-Schüler*innen, die auch an der Juniorwahl teilgenommen haben, tendenziell eher geneigt sind, sich an zukünftigen politischen Wahlen zu beteiligen. Frau Dr. Fabian beteuerte, dass sie das nicht nur hoffen würde, sondern dass es dazu auch Studien geben würde, die genau das belegen würden:

„Zum Beispiel wurde 2001 die Juniorwahl – parallel zur Landtagswahl in Baden-Württemberg – durch den Fachbereich Sozialwissenschaften der Uni Stuttgart begleitet. Dieser hat nachgewiesen, dass der Anteil der Nichtwähler*innen unter den zukünftigen Erstwähler*innen deutlich sank. Das zeigt also, dass wir davon ausgehen können, dass unsere bald wahlberechtigten IFK Schüler*innen bei den nächsten NRW-Landtagswahlen 2022 voraussichtlich höher motiviert sein werden von ihrem politischen Wahlrecht auch Gebrauch zu machen.”

Unglaublich oder? Und nicht nur das… Die Studie, von der Frau Fabian sprach, hat auch herausgefunden, dass Jugendliche die Impulse und angestoßenen Debatten der Juniorwahl in ihre Familien hineingetragen haben. Das wiederum erhöhte sogar die Wahlbeteiligung genau dieser Eltern.

Wie führt man eine solche Wahl eigentlich durch? Die Vorbereitung auf die Juniorwahl 2021

Die Juniorwahl fand bei uns an der CIS/IFK am 23.9. statt, nur drei Tage vor der eigentlichen Bundestagswahl am 26. September. Davor muss man natürlich einiges vorbereiten: Zum Beispiel müssen die Wahlzeiten eingeteilt, der Raum eingerichtet – und Plakate im Schulgebäude aufgehängt werden. Die wahlberechtigten Schüler*innen der weiterführenden Schule ab der Klasse 7, erhalten Wahlbenachrichtigungen und werden ins Wählerverzeichnis ihrer Klasse eingetragen. Alles wie bei der richtigen Wahl? Ja genau! So haben wir mit den fast identischen Stimmzetteln des Wahlkreises 94/Köln 2, in dem unsere Schule liegt, gewählt. Naja, fast alles so wie bei der richtigen Bundestagswahl: Die Ergebnisse haben natürlich weder Konsequenzen für den Einzug der Direktkandidaten und Direktkandidatinnen unseres Wahlkreises, noch haben sie einen Einfluss auf die prozentuale Sitzverteilung der Parteien im Bundestag. Dennoch zeigen unsere Ergebnisse sehr wohl Parallelen zum Wahlverhalten der jungen Wahlberechtigten zu heutigen politischen Inhalten auf, die uns eben als Jugendliche bewegen. Dazu aber später mehr…

Der große Tag: Juniorwahl 2021 an unserer internationalen Schule im Kölner Westen

Wir sind im Wahlfieber! Auf den Gängen und auf dem Schulhof unterhalten sich Schüler*innen plötzlich über politische Inhalte und diskutieren, welche und warum sie die eine oder andere Partei für geeigneter halten. Auf den Gängen hängen Wahlplakate unterschiedlichen Parteien, Poster, die einen per QR-Code zum Vote Swiper führen und weitere Aushänge, die auf unsere Erklärvideos zum Ablauf der Bundestagswahl verweisen, die wir im Politikunterricht bei Frau Wedy erstellt haben. Noch gestern sind 3 Schüler*innen aus der Q1, die grad mitten in der Klausurphase stecken, durch alle Stufen gegangen, um einen kurzen Vortrag über die im Bundestag vertretenen Parteien zu halten. Ich würde sagen, wir sind bereit!

Der Tag der Wahl: Die Klassen werden nacheinander ins Wahllokal gerufen und geben dort ihre beiden Stimmen ab. Die drei Wahlhelferinnen Yade, Coco und Léa aus der achten Klasse waren sich einig, dass man als Wahlhelfer*in wichtige Dinge beachten muss. Zum Beispiel muss man auf die Einhaltung von demokratischen Wahlprinzipien achten: So dürfen die Wahlkabinen natürlich nicht einsehbar sein und die Stimmzettel müssen im Anschluss von den Wähler*innen richtig zusammengefaltet werden. Schließlich muss die Wahl ja geheim sein!

Was ist das Ziel der Juniorwahl?

Ein Ziel der Juniorwahl ist nämlich auch, die Schüler*innen auf die eigentlichen Wahlen vorzubereiten und unter ihnen ein besseres Verständnis für die Abläufe und Prinzipien hervorzurufen, wieso man überhaupt wählen sollte, wer gewählt werden kann und wie die Bundestagswahlen ablaufen. Wir nehmen unsere Zukunft nämlich selbst in die Hand und lernen, uns kritisch mit den politischen Inhalten der Parteien auseinanderzusetzen (siehe übrigens auch unser school Mission- und Visonstatement). Bevor wir ab unserem achtzehnten Geburtstag zum ersten Mal bei der Bundestagswahl wählen können, haben wir dann schon einmal den Ablauf miterlebt und sind besser vorbereitet und informiert. Zum Glück hat alles reibungslos funktioniert und die Schulleitung war sichtbar stolz auf uns und betonte, dass „das Team des 30-köpfigen Wahlvorstandes […] Unglaubliches in Bewegung gesetzt [habe] und die Juniorwahl fast alleine gestemmt [hätte]“. Damit sind wir also gemeint. 🙂

Wie fiel die Juniorwahl 2021 deutschlandweit aus? Und warum ist das eigentlich relevant?

Mehr als 1 Millionen Schüler*innen sind deutschlandweit an die Urne gegangen. Das beste Ergebnis konnten die GRÜNEN mit 20,6% einfahren, dicht gefolgt von der SPD, welche wie vor 4 Jahren wieder rund 19% der Stimmen bekam. Auch hat die FDP hat stark aufgeholt und wurde mit 18,5% drittstärkste Kraft. Ob dies an den Themen dieser jüngeren Parteien (FDP und GRÜNE) liegt, welche zum Beispiel den Klimawandel oder die Digitalisierung stärker ansprechen und versprechen dort entschlossener vorzugehen als die momentane Regierung dies tut, bleibt offen – plausibel wäre dies. Auffällig ist, dass die CDU stark verloren hat im Vergleich zur letzten Wahl. Da stellt sich die Frage, ob diese Volkspartei, die maßgeblich die letzten 16 Jahre geprägt hat und die noch von der Generation unserer Eltern und Großeltern gewählt wurde/wird, für die junge Generation ausgedient hat? Das Direktmandat und damit den Sitz im Bundestag für den Wahlkreis 94/Köln II hätte und hat übrigens Sven Lehmann von den GRÜNEN in beiden Wahlen davongetragen, sogar mit einem sehr ähnlichen Prozentsatz von 34,64% in der richtigen Wahl und 36,8% in der Juniorwahl. Was für eine Parallele!

Unter diesem Link finden Sie die Ergebnisse der deutschlandweiten Juniorwahl 2021: https://www.juniorwahl.de/juniorwahl-btw-2021.html

Und welche Partei war bei uns an der CIS/IFK am beliebtesten?

Schulintern hat sich das Bild auch noch einmal ein wenig verschoben. Die meisten Zweitstimmen haben hier die FDP mit 27,0%, die Grünen mit 21,7% und die CDU mit 20,9% bekommen. Also kein so eindeutiges Ergebnis wie bei den Wahlen in Russland.

Mein persönliches Résumé

Für mich war vor allem der hohe CDU-Anteil an unserer Schule unerwartet, da gerade die Union bei den Juniorwahlen oft einen deutlich geringeren Prozentsatz der Wähler*innen erreicht. Auch war ich persönlich von dem hohen FDP-Anteil in der Schule überrascht: Sie war immerhin die meistgewählte Partei.

Die unterschiedlichen Wählerstimmen haben eines deutlich gezeigt: Von russischen Zuständen scheinen wir ganz weit entfernt zu sein! Der Pluralismus siegt und die Demokratie wurde durch die Juniorwahl auch unter uns Schüler*innen deutlich gestärkt. So planen wir, auch bei den nächsten Wahlen wieder dabei zu sein – und halten euch Leser*innen auf dem Laufenden.

Marika Esch, 9a, Gymnasium bilingual +

Juniorwahl 2021

Stefanie Wedy, Gymnasium bilingual +