Sinnvolle Bewertungen

Sinnvolle Bewertungen

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October 29, 2020

Wie schaffen wir sinnvolle Bewertungen als System für unsere Schüler und deren Eltern?

Dass wir im Zeitalter des Bewertens und Beurteilens leben, wo jeder jeden beurteilt und wo Weg zum Verurteilen ist oft nicht weit ist, zeigt allein schon ein Blick auf den Fernseher: Dort kann man sehen, wie Menschen sogar beim Shoppen oder Heiraten einander nach bestimmten Kriterien bewerten. Nun kann man Shoppen oder Heiraten aber nicht lernen, eine dem „Event“ folgende Evaluation ergibt also überhaupt keinen Sinn. Es geht dort allein um Geschmack und nicht um Entwicklung.

Über die Sinnhaftigkeit des Bewertens kann man grundsätzlich streiten. Man kann (und sollte?) sich in diesem Zusammenhang auch die Frage stellen, inwiefern es wichtig ist, wie andere einen bewerten und beurteilen, und ob es nicht viel wichtiger wäre, sinnvolle Kriterien aufzustellen und Methoden zu erlernen, anhand derer und mit denen man sich selbst evaluieren kann und sollte.

Da wir eine staatlich anerkannte Ersatzschule sind, müssen wir als Lehrer und Lehrerinnen die Leistungen unserer Schülerinnen und Schüler bewerten, ob wir wollen oder nicht. Hierbei spiegeln die Noten (als Bewertungen) den Schülern wider, inwieweit sie den Unterrichtsstoff beherrschen. Dezidierte Rückmeldungen z.B. auf sogenannten Erwartungshorizonten oder im Coaching geben wieder, wo konkret Optimierungsbedarf besteht, vor allem aber was genau der/die Lernende bereits gut beherrscht.

In der Erprobungsstufe, also in den Klassen 5 und 6, sind die Kinder tägliche Rückmeldungen durch ihr Logbuch gewöhnt. Dieses Logbuch wurde auf Wunsch mancher Eltern und KollegInnen digitalisiert und geht zur Zeit in eine Pilotphase. Das digitale Rückmeldesystem ist flexibler und birgt einige Vorteile, es ist aber auch für ältere Schülerinnen und Schüler und deren Eltern nützlich, weswegen wir das Logbuch 2.0 nun auch für diese starten.

Wenn Sie als Eltern nun aber ungefiltert (d.h. direkt und nicht mehr über Ihre Kinder) die Rückmeldungen bekommen, besteht die Gefahr, dass Sie die Bewertungen schnell als Verurteilungen auffassen. Als Mutter weiß ich, wie schnell man sich durch Rückmeldungen über die eigenen Kinder angegriffen fühlt und dazu neigt, diese persönlich zu nehmen. Wir hoffen, dass Sie im Blick haben, dass die Rückmeldungen sich stets rein auf die Leistungen Ihrer Kinder beziehen und niemals auf die Kinder an sich oder etwa auf Sie. Wir verurteilen nicht, es geht uns auch nicht um Geschmack wie beim Shoppen oder Heiraten, wir zeigen lediglich Entwicklungen bzw. Entwicklungsmöglichkeiten auf, die wir gern weiterhin unterstützen und begleiten – und tun damit unseren Job. Das Rückmeldesystem soll die Kommunikation erleichtern und nicht erschweren, daher freuen wir uns, wenn der erste Weg immer der ist, mit Ihrem Kind ein offenes Gespräch über seine Leistungen zu führen, und erst dann das Gespräch mit uns Lehrkräften gesucht wird, immer mit dem Fokus, dass wir die Lernentwicklung Ihres Kindes (am liebsten gemeinsam mit Ihnen) begleiten, nicht aber übernehmen können.

Frau Dr. Rosmarie Fabian, Gymnasium bilingual+

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